Bericht aus PZ-News vom 26.01.2026 von Frank Wewoda
Birkenfeld. In der Ludwig-Uhland-Schule versetzen frühere Hip-Hopper zurück in die 1990er-Jahre. Sie wollen Werte wie Vielfalt und Zusammenhalt vermitteln.
Der Hausmeister an der Birkenfelder Ludwig-Uhland-Schule (LUS) hat vor grob 30 Jahren als Breakdancer und Mitglied der Gruppe Southside Rockers deutsche Breakdance- und Hip-Hop-Geschichte geschrieben? Die Schüler können es kaum glauben, „das zieht sie gleich in den Bann“, berichtet Lehrerin Ebru Tekinarslan.
Salva Scalisis Statur und seine eindrucksvollen Oberarme erlauben dem heute 47-Jährigen auch heute noch problemlos einige der „Moves“ von früher – „die Bases, einen Salto zum Beispiel“, erzählt er lächelnd. „Nur habe ich dann mindestens eine Woche Muskelkater und nicht nur einen Tag wie damals“, scherzt Scalisi, der seit 13 Jahren Hausmeister an der Ludwig-Uhland-Schule ist, und lacht.
Zusammen mit dem Pforzheimer Serkan Tuna, der heute unter anderem als Filmemacher arbeitet, trafen sich die beiden einst im Birkenfelder Jugendhaus: „Ich wollte immer mit meinen Jungs tanzen“, erinnert sich Tuna, und weiter: „Wir wollten der Welt unsere Choreos zeigen.“
Auch in leerstehenden Hallen des Pforzheimer Schlachthofs übten sie damals. Daraus gründeten sich zuerst „Kinder der Zukunft“ (KDZ). Die taten sich 1993 mit den „Point Blank Breakers“ aus Heidelberg sowie den „Breakin-Effects“ und „B-Force“ aus Stuttgart zusammen zu den „Southside Rockers“. Nun präsentieren Tuna und Scalisi die Geschichte der Band und damit ihrer Jugend als Ausstellung in der Ludwig-Uhland-Schule. Auf mehreren großen Stellwänden sind Bandfotos zu sehen.
In einem Schaukasten sind Erinnerungsstücke vereint wie VHS-Videos, die damals das einzige Anschauungsmaterial lieferten für die in Deutschland ganz neuen Tanzschritte aus den USA. Michael Jacksons Werk „Thriller“ im VHS-Format ist dabei neben einem Breakdance-Film. Darüber baumelt eine Original-Crewjacke der Gruppe. Dazu hängt eine ganze Stellwand voll mit Einladungsflyern und Ähnlichem – „vor allem, dass die damals von Hand gezeichnet wurden, finden die Schüler faszinierend“, erzählt Serkan Tuna lächelnd. Im Fundus enthalten ist auch eine Monatsfahrkarte von 1994, die der junge Serkan Tuna für das gesamte Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn zum stolzen Preis von 350 D-Mark gelöst hatte, um Breakdance- und Hip-Hop-Kontakte zu pflegen – immerhin fast der dreifache Wert des heutigen Deutschlandtickets.
„So etwas gab es hier noch nie in meiner Zeit an der Schule“, sagt Ebru Tekinarslan zur Ausstellung, die Mathematik, Informatik und Ethik an der Ludwig-Uhland-Schule unterrichtet. Über Instagram sei der Kontakt zu Serkan Tuna zustande gekommen.
Querverbindungen zu „Stories of HipHop“
Inhaltlich weist die Ausstellung Querverbindungen auf zu „Stories of HipHop“, die voriges Jahr von März bis Oktober im Schmuckmuseum in Pforzheim zu sehen war. Serkan Tuna war damals Mitkurator. Dort wurden die Ursprünge des Hip-Hop erzählt: Mit Rap, Graffiti, Breakdance erfanden Schwarze und Latinos des New Yorker Ghettos ihre eigene Kultur, schufen als DJs am Plattenteller einen ganz neuen Sound. Den importierten die „Fantastischen Vier“ als Erste bis heute sehr erfolgreich nach Deutschland und sangen Hip-Hop-Texte auf Deutsch –ein Novum. Nur wenige Monate vor dem ganz großen Durchbruch mit ihrem Song „Die da !?!“ traten sie noch in Mühlacker im Uhlandbau als lokale Gruppe auf – dies ist auf einem Einladungsflyer zu sehen. Die Ausstellung soll, nachdem sie im Unterricht an der Ludwig-Uhland-Schule Thema gewesen ist, auch an anderen Schulen gastieren, kündigt Ebru Tekinarslan an. Auf den Überraschungseffekt mit tanzendem Hausmeister müssen die Macher dort aber verzichten.